GOTTESDIENSTE

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ERWACHSENENBILDUNG

ERWACHSENENBILDUNG
Vielfältige Angebote zu Bildung und Spiritualität macht Ihnen das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd e.V. in Simmern.

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Recht und Gerechtigkeit – davon höre und lese ich zurzeit viel. Meist wird dann betont, wie wichtig besonders die Menschenrechte und ihre Einhaltung sind. Der Monatsspruch für Juli sagt, dass Recht und Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach strömen sollen. Ein schönes Bild aus einem alten Prophetenbuch – und doch noch aktuell.
Das Buch des Propheten Amos steht im Alten Testaments und wurde etwa um 760–750 v. Chr. von einem judäischen Schafzüchter verfasst. Er prangert darin soziale Ungerechtigkeit, Unterdrückung der Armen und religiöse Heuchelei im wohlhabenden Nordreich Israel an und kündigt das Gericht durch die Assyrer an.
Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer, das hören auch wir immer wieder. Hat sich nach so langer Zeit nichts daran geändert?
Amos erzeugt eine bemerkenswerte Spannung. Auf der einen Seite steht eine tödliche Erkenntnis. Gleich zu Beginn von Kapitel 5 heißt es, das Volk Israel sei gefallen und werde nicht wieder aufstehen. Diese Worte sind hart, klingen endgültig, ohne Alternative. Auf der anderen Seite aber ruft derselbe Amos leidenschaftlich: »Suchet das Gute und nicht das Böse, damit ihr lebet« (Am 5,14). Zwischen Gericht und Hoffnung bleibt also ein Raum offen – ein Raum, in dem Veränderungen möglich sind.
Mitten in dieser Spannung steht der Monatsspruch aus Amos 5,24: »Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.« Dieser Satz wirkt auf den ersten Blick merkwürdig in seinem dunklen Umfeld. Und doch ist er das positive Gegenstück zu den Klagen des Amos, der betont, dass Recht in Bitterkeit verkehrt und Gerechtigkeit in den Dreck gezogen wurde. Und dort, wo alles nach Untergang aussieht, wird der Gerechtigkeit immer noch eine große Chance geben. Recht wie Wasser – das meint nicht vereinzelte Tropfen, sondern eine stetige Bewegung. »panta rhei – alles fließt!«
Das konnte die Zeitgenossen des Amos gut verstehen, denn sie lebten ja in einem Land mit großer Wasserknappheit. Vielleicht können auch wir das verstehen, Wasser haben wir zwar (noch) genügend, aber wir leben in einer Zeit knapper werdenden wirtschaftlicher Ressourcen. Dabei denke ich nicht nur an Öl.
Mit seiner Bildersprache macht der Monatsspruch da Hoffnung: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, steigender Preise und angekündigter Reformen des Sozialstaates wirkt Gerechtigkeit schnell wie Luxus, den man sich nicht mehr leisten kann oder will. Doch das Gegenteil ist der Fall: Gerechtigkeit ist die Grundlage eines funktionierenden Zusammenlebens. Ohne sie verlieren Menschen Vertrauen, Halt und Perspektive.
Das Buch Amos erinnert daran, dass Gerechtigkeit kein Nebenprodukt guter Zeiten ist, sondern die Bedingung dafür, dass eine Gesellschaft stabil bleibt. Wir sind gefragt, diesen Gedanken ernst zu nehmen und unseren Beitrag dazu zu leisten, dass der Bach der Gerechtigkeit nicht versiegt. 

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Peter Dietz